Tipps zum nachhaltigen Überwinden einer Schreibblockade

Jan. 5, 2024 | Schreiben

Schreiben ist eine anstrengende Tätigkeit. Kreativität und Inspiration geben uns einen Schub und lassen uns fast schon euphorisch Wort für Wort verewigen. Aber die meisten kennen auch die andere Seite. Wenn nichts mehr geht und jeder Buchstabe ein unüberwindbares Hindernis darstellt.

Schreibblockaden sind allen bekannt. Vermutlich bist auch du genau deswegen hier. Die Ursachen von Schreibblockaden sind sehr vielfältig, denn du selbst bist komplex und vielfältig. Wir wollen uns gemeinsam diese Thematik anschauen und vor allem Wege finden, wie du aus der Schreibblockade ausbrechen kannst.

Verständnis von Schreibblockaden

Was sind Schreibblockaden?

Eine Schreibblockade ist ein psychisches Phänomen, bei dem du nicht mehr in der Lage bist zu schreiben. Wie der Name sagt, wirst du blockiert. Was genau blockiert, ist nicht einfach zu sagen, denn verschiedene emotionale wie auch mentale Gründe können vorliegen.

Wichtig ist, dass du selbst merkst, wann du eine Schreibblockade hast und weisst, wie du damit umgehen kannst.

Schreibblockaden kommen bei allen Formen des Schreibens vor und können sich auch als Kreativitätsblockade in anderen Tätigkeiten äussern.

Ursachen von Schreibblockaden

Ursachen von Schreibblockaden sind vielfältig, denn die meisten entstehen in uns selbst.

Ein klassisches Duo in Sachen Schreibblockaden sind Perfektionismus und Selbstzweifel. Wir wollen, dass jedes Wort, jeder Satz und jedes Kapitel perfekt ist, denn nur so werden die Leute Freude an der Geschichte finden. Dabei spielt das Medium wie Roman, Kurzgeschichte oder Serials keine Rolle. Dieser Ansatz hemmt alleine schon enorm, aber dazu kommt noch der Fakt, dass kein Wort, kein Satz und kein Kapitel gut genug ist. Daraus entsteht eine Spirale, bei der jedes Wort zum internen Kampf führt und den Schreibprozess unmöglich macht.

Stockender Fortschritt kannst du auch erwarten, wenn du dich gerne ablenken lässt. Die Situation ist dann die folgende: Du hast gerade ein wenig Mühe in einer Szene, dann fällt dir ein unwichtiges Detail auf, das du beispielsweise recherchieren könntest – und plötzlich schaust du dir Videos von weit entfernt relevanten Themen an und redest dir ein, dass das dazugehört. Die Ablenkung wird immer leichter, je länger eine Schreibblockade anhält.

Eine verhältnismässig harmlose Ursache ist mangelnde Inspiration und Ideenknappheit. Hier stellt sich meist die Frage, ob die Welt, die Charaktere und die Story mit genügend Hintergedanken versehen wurden. Tauche nochmals ein wenig in deine Geschichte ein und finde mehr heraus, das du deinem Publikum erzählen willst.

10 Schreibübungen zur Überwindung von Schreibblockaden

Es gibt unzählige Bücher mit den verschiedensten Schreibübungen und die meisten davon passen auch perfekt in die Thematik. Ich kann dir also nur raten ein wenig herumzustöbern und dann findest du ganz sicher eine oder mehrere Übungen, die genau zu dir passen. Die folgenden Schreibübungen sind meine Favoriten und daher nicht als universelle Konter gegen Schreibblockaden zu verstehen.

Bei all diesen Schreibübungen ist das Ziel, dass du dich ins Schreiben hineinversetzen kannst. Du sollst dich fühlen, als hättest du nie etwas anderes gemacht. Ob du mit Stichworten, abgehackten Sätzen oder sogar einer Kurzgeschichte dieses Gefühl findest, das ist dir überlassen.

  1. Der Tippfehler
  2. Buchstaben-Lotto
  3. Wie der Anfang so das Ende
  4. Rückwärts schreiben
  5. Guten Morgen
  6. Freewriting
  7. Bild-Geschichten
  8. Zitate in deiner Welt
  9. Besuch vor Ort
  10. Traditionen und Bräuche

#1 Der Tippfehler

Tippfehler gehören zum täglichen Leben dazu. Wenn du schreibst, solltest du sie am Anfang ignorieren, denn du hast noch genügend Durchläufe, um sie zu korrigieren.

Interessant wird es aber, wenn du einen Schreibfehler als Absicht anschaust.

Was ist, wenn aus einem Scheinwerfer ein Schweinwerfer wird? Was machst du dann mit all den Schweinen? Und wer kümmert sich um das fehlende Licht?

Oder was wäre, wenn ein Bauherr einen Preis für Baukunst erhalten soll, ihm aber stattdessen ein Preis für Braukunst überreicht wird? Nimmt er ihn an und versucht dem Preis gerecht zu werden oder lehnt er ihn einfach ab?

Die Grundidee ist, dass die Geschichte ganz normal startet und dann eine interessante Wendung nimmt, sobald der Schreibfehler auftaucht.

#2 Buchstaben-Lotto

Je nach Genre, das du schreibst, hast du Vorlieben für gewisse Worte entwickelt. Das ist ganz normal und auch keine schlechte Sache, denn du sollst unbedingt deine eigene Stimme finden.

Damit du deinem Gehirn ein wenig Abwechslung bieten kannst, solltest du mal versuchen, den Zufall in deine Werke einfliessen zu lassen.

Nimm irgendein Setting und fange an zu schreiben. Es kann auch eine 1:1 Kopie eines schon geschriebenen Werkes sein. Sobald du zum ersten Gegenstand kommst, mit dem deine Charaktere interagieren, oder zur ersten Handlung, die deine Charaktere ausführen, musst du kurz stoppen. Wähle jetzt einen zufälligen Buchstaben aus und mit diesem Buchstaben muss die Handlung oder der Gegenstand neu beginnen.

Will dein Charakter nach der Brille auf dem Nachttisch greifen, dann wählst du nach Lust und Laune zwischen 1 und 3 Buchstaben aus und machst damit weiter. Zufällig denke ich an K, V und J. Aus der Brille könnte eine Kontaktlinse oder Kreide werden, aus dem Nachttisch ein Vorhängeschloss oder eine Vase und aus dem Greifen könnte ein Jagen oder Justieren werden.

Du siehst, dass diese Schreibübung sehr schnell in ganz absurde Geschichten ausufern kann – und das macht den Spass daran aus.

#3 Wie der Anfang so das Ende

Der Anfang und das Ende einer Geschichte sind die wichtigsten Teile. Sie entscheiden, ob jemand deine Geschichte überhaupt lesen will und ob sie schlussendlich zufrieden sind oder nicht.

Jetzt stellt sich aber die Frage, was denn wäre, wenn der Anfang und das Ende gleich aussehen. Einfachheitshalber nehmen wir an, dass der Anfang und das Ende je nur aus einem Satz bestehen.

Nimm irgendeinen Satz und versuche mit der Geschichte die Bedeutung dieses Satzes zu ändern.

Nehmen wir den Satz «Das Fenster stand offen». Deine Figur lässt in der Nacht gerne das Fenster offen, damit frische und kühle Luft ins Schlafzimmer strömen kann. Am Anfang ist der Satz eine gute Sache und gibt deiner Figur ein positives Wohlbefinden. Jetzt entfaltet sich die Geschichte und deine Figur muss auf einen Vogel aufpassen. Eines Abends vergiss deine Figur, den Vogelkäfig korrekt abzuschliessen und du kannst die Geschichte mit dem Satz «Das Fenster stand offen» beenden und diesmal geht es nicht um das positive Wohlbefinden deiner Figur, sondern um den anstehenden Konflikt mit der Schwester.

Das Beispiel ist natürlich sehr vereinfacht. Mach dir ein paar Gedanken und finde selbst Sätze, deren Bedeutungen du gerne mit einer Geschichte verändern willst.

#4 Rückwärts schreiben

Planst du deine Geschichte mit vielen Details im Voraus, dann kannst du dich manchmal in der Planerei verlieren.

Eine Schreibübung, die genau andersherum funktioniert, lässt dich eine Geschichte von hinten aufrollen.

Nehmen wir eine Szene, in der ein Detektiv einen Verbrecher überführt oder in der ein guter Magier den bösen Magier besiegt. Damit hast du die Geschichte aufgelöst, ohne dass sie überhaupt existiert – noch nicht.

Von dieser Auflösung arbeitest du dich jetzt rückwärts bis hin zum Anfang. Das scheint ein wenig skurril, da du dir ja genau dieselben Fragen stellen musst, wie im normalen Ablauf. Versuche nicht zu viel zu hinterfragen und schreibe einfach Absatz für Absatz rückwärts durch diese Geschichte. Es wird an gewissen Orten nicht funktionieren und gewisse Handlungen werden keinen Sinn ergeben, aber das macht nichts.

Bei dieser Übung geht es darum, dass du schnell einen groben Handlungsablauf zusammenstellst und dich nicht von Details bremsen lässt.

#5 Guten Morgen

Morgens stehe ich auf und muss zuerst einmal zwei Gläser Wasser trinken. Dann geht es weiter mit Gesichtwaschen und dann kann der Tag starten.

Deine Charaktere haben sicher auch eine Morgenroutine. Oder besser noch: Sie haben noch keine Morgenroutine.

Stell dir deine Charaktere vor und überleg dir, wie sie in den Tag starten würden. Schreib auf, was sie machen, wie sie sich fühlen und was ihnen dabei durch den Kopf geht.

Ist ein Charakter von dir eine charmante Bardin, die jede Nacht ein anderes Bett besucht? Dann erzähl, wie sie jeden Morgen unauffällig verschwinden will und welche Tricks sie bereit hat, um Konfrontationen aus dem Weg zu gehen.

Oder wie wäre es mit einem übermotivierten Mitglied der Stadtwache? Wie viel vor Dienstbeginn ist dieser Charakter vor Ort? Und wie sieht das Frühstück aus, damit auf höchstem Niveau gearbeitet werden kann?

Lass die Eigenschaften deiner Charaktere ein wenig aus dem Ruder laufen, damit eröffnen sich dir sehr lustige Wege – und es schreibt sich auch besser.

Nicht vergessen: Hier geht es um Schreibübungen gegen Schreibblockaden. Wenn du deine Charaktere auch gleich weiterentwickeln kannst, ist das natürlich schön, aber nicht wichtig für die Übung.

#6 Freewriting

Freewriting, auch freies Schreiben genannt, ist für manche eine Notlösung oder gar nicht machbar.

Das Prinzip ist einfach: 5 Minuten ohne Unterbruch schreiben.

Klingt erstmal nicht weiter schwierig oder kompliziert, aber versuch es mal. Einfach 5 Minuten sitzen und deine Finger wund tippen. In der Praxis ist es viel schwieriger, denn immer wieder driften wir während des Schreibens ab, da uns etwas aufgefallen ist.

Für diese Übung brauchst du vielleicht Hilfe von einer weiteren Person, die dich jedes Mal ermahnt, wenn keine Tipp-Geräusche mehr zu hören sind.

Diese Übung ist der absolute Klassiker, um den Drang zum Lektorieren zu unterdrücken. Schreibst du ohne Unterbruch, hast du auch keine Zeit, um das vorherige nochmals zu überfliegen und zu korrigieren. Ist dein Drang zum sofortigen Lektorieren stark, könntest du von dieser Übung profitieren.

#7 Bild-Geschichten

Ein Bild sagt mehr als 1’000 Worte – das kennen wir. Aber jemand sollte diese 1’000 Worte auch mal schreiben.

Überall siehst du Bilder und wahrscheinlich hast du tausende davon irgendwo auf einem Smartphone oder in Fotoalben verteilt. Jetzt ist die Zeit, dass du eines davon auswählst und beschreibst, wie es zu diesem Foto gekommen ist. Sind es persönliche Bilder, dann hast du die Geschichte schon fertig in deinem Kopf und musst sie nur noch auf Papier bringen.

Du kannst diese Übung aber auch mit Bildern machen, bei denen du keine Rolle in der Entstehungsgeschichte hattest. Nimm irgendein Bild aus dem Museum oder suche nach Bilder mit einem Motiv, das du magst und schreib dazu. Erzähle, was auf dem Bild zu sehen ist und was passiert oder wie es zu diesem Bild kam. Bei einem Gemälde kannst du dich fragen, wie sie alle Leute dazu gebracht haben, sich nicht zu bewegen – das wäre vor allem bei Tieren und Gewässern interessant.

Schreib so viel, wie du Lust hast und lass dich nicht bremsen, wenn du plötzlich abschweifst. So entstehen die besten Geschichten.

#8 Zitate in deiner Welt

Viele Zitate sprechen Themen und Zustände an, die zeitlos sind. Deshalb halten sie sich auch so gut. Der ursprüngliche Kontext ist vielen nicht bekannt, was in einigen Situationen zu Missverständnissen führen kann.

Als Schreibübung solltest du dir bekannte Zitate nehmen und ihre Ursprungsgeschichte in deiner Welt erzählen.

Stell dir «Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage» in deiner Welt vor und wie es zu diesem Spruch gekommen ist. Je nach Zitat musst du weiter und etwas abstrakter denken, aber du sollst bei diesen Übungen auch keine Meisterwerke erschaffen, du sollst das Schreiben fühlen.

#9 Besuch vor Ort

Kommst du bei deiner Geschichte nicht weiter oder weisst nicht, was du als nächstes schreiben sollst, dann kann es helfen, wenn du ein wenig in deiner Welt lebst.

Nimm einen Ort aus deinen Geschichten, schliesse deine Augen und bewege dich durch den Ort. Was riechst du? Was siehst du? Was hörst du? Auf wen triffst du? Ist gerade Feierabend in den Minen deiner Minenstadt und werden die Tavernen und Bars gefüllt? Oder vielleicht lockt dich der Duft von leckeren Gebäcken in eine Bäckerei herein.

Schreib deine Erfahrungen auf und lass dich überraschen, wie lebendig deine Ortschaften plötzlich werden. Hier findest du vielleicht auch gleich eine Inspiration für deine Geschichte.

#10 Traditionen und Bräuche

Traditionen und Bräuche sind bei uns fest verankert. Einem Geburtstagskind gibt man ein Geburtstagsgeschenk, bei einer Einladung nimmt man ein Gastgeschenk mit oder beim ersten Treffen gibt man sich die Hand.

Je nach Region und Kultur sind Bräuche ganz verschieden und das macht sie so interessant. Schreib auf, welche Bräuche und Traditionen in deiner Welt bei deinen Rassen zu finden sind. Wie begrüssen sie sich? Wie trauern sie um die Verstorbenen? Wie wird eine erfolgreiche Jagd oder Ernte gefeiert?

Lass dich von realen Bräuchen und Traditionen inspirieren und verleih ihnen das fantastische Element, dass du deiner Welt eingehaucht hast.

Überwindung von emotionalen und mentalen Blockaden

Eine Schreibblockade stammt nicht vom Schreiben, eigentlich ist es eine emotionale oder mentale Blockade, die sich beim Schreiben klar zu erkennen gibt. Auch bei anderen Tätigkeiten und im Alltag ist sie da, aber wir merken es nur bedingt.

Die Überwindung dieser Blockaden hat nicht das Ziel, dass du einfach wieder schreiben kannst, sondern dass du dich mit dem auseinandersetzt, was die Blockade auslöst.

Selbstfürsorge und Stressbewältigung

Entspannung ist das A und O bei der Selbstfürsorge. Hole dich ins Hier und Jetzt zurück, mit dem, was dir gut tut. Vielleicht ist das Yoga, vielleicht lesen und vielleicht eine Fahrradtour. Pass nur auf, dass es nicht ein Kompensieren wird, denn du willst dir selbst etwas Gutes tun und dich nicht bei dir entschuldigen.

Wenn dir das Schreiben wichtig ist, dann wirst du viel Zeit deines Lebens damit verbringen. Empfindest du deine Schreibzeit als nervenaufreibend und erdrückend, dann hältst du nicht lange durch. Versuche dem Schreibprozess eine positive Aura zu geben.

Es ist wichtig, dass der Aufwand dir ein gutes Gefühl vermittelt. Du darfst und sollst verwirrt, ängstlich, traurig und wütend sein, du willst diese Gefühle schliesslich auch hervorrufen, aber lass diese Gefühle in den Worten und Absätzen deiner Geschichte.

Gemeinschaft und Feedback

Schreiben wird oft als einsames Handwerk dargestellt. Beim Tippen der Buchstaben bist du auf dich alleine gestellt, das stimmt, aber der Prozess darum ist nur bedingt einsam.

Du kannst dir einen Schreibpartner suchen, damit ihr euch gegenseitig Feedback geben könnt. So gebt ihr euch auch gegenseitig einen Ansporn, immer weiter zu schreiben. Vielleicht kennst du niemanden direkt, aber dann kann eine Schreibgruppe das passende für dich sein. Diese findest du online oder auf sozialen Medien. Bei einer Schreibgruppe hast du dieselben Vorteile wie bei einem Schreibpartner – und sogar noch mehr verschiedene Blickwinkel.

Ob so eine Schreibpartnerschaft zu dir passt oder nicht, musst du aber selbst herausfinden.

Die Macht von konstruktivem Feedback darfst du nicht unterschätzen. Die ehrliche Meinung über positive wie auch negative Aspekte deiner Geschichte können dir enorm viel eröffnen, denn als Ursprungsquelle verlierst du schnell die objektive Sicht auf deine Schöpfung.

Sei dir selbst lieb und finde rasch heraus, bei welchen Gruppen oder Partnern du dich wohlfühlst und konstruktives Feedback auch gelebt wird. Du gibst viel von dir in deine Geschichte, deshalb kann sich Kritik an der Geschichte wie Kritik an dir anfühlen. Atme tief durch und vergiss nicht, dass

10 Tipps zum Überwinden deiner Schreibblockade

Mit den Schreibübungen kommst du hoffentlich in deinen Schreibflow, aber die angesprochenen psychischen und sozialen Faktoren lassen sich damit nicht immer bewältigen, deshalb hier noch 10 allgemeine Tipps zum Überwinden deiner Schreibblockade. Ich hoffe, dass der eine oder andere Tipp auch dir helfen kann.

  1. Schaff eine Schreibroutine
  2. Aufhören, wenns am schönsten ist
  3. Ausgleich durch Sport
  4. Tief einatmen
  5. Müll schreiben
  6. Zeit stoppen
  7. Töte jemanden
  8. Sprich über deine Schreibblockade
  9. Wieso schreibst du?
  10. Ziele und Belohnungen

#1 Schaff eine Schreibroutine

Gehst du immer am Dienstagabend joggen, dann gehst du immer am Dienstagabend joggen. Gehst du einmal nicht joggen, dann wird sich das komisch anfühlen. Du hast eine Routine geschaffen und diese zu brechen fühlt sich falsch an.

Routinen können gut aber auch schlecht sein. Wird ewiges Scrollen auf sozialen Medien vor dem Schlafen zur Routine, dann verlierst du Zeit und minderst deine Schlafqualität.

Der wichtige Punkt ist, dass wir Routinen nur ungern brechen. Wenn du also eine Schreibroutine aufbaust, zum Beispiel am Dienstag- und Donnerstagabend oder 1’000 Wörter pro Tag oder jeden Werktag am Morgen früh eine Stunde, dann wirst du viel mehr Schwierigkeiten haben, in eine Schreibblockade zu geraten.

Das klingt super und schon sind Schreibblockaden ein Ding der Vergangenheit – nicht ganz.

Eine bestehende Routine zu brechen, braucht Kraft, aber eine neue Routine aufzubauen, das braucht einen immensen Haufen an Kraft. Um eine Routine zu etablieren, musst du unzählige bestehende Routinen brechen, um Platz zu schaffen.

Dieser Aufwand erfordert Zeit. Sei nicht überrascht, wenn du mehrere Monate brauchst, um eine Schreibroutine anzulegen. Aber der Aufwand lohnt sich.

Achte auf deine Umstände und kreiere eine Schreibroutine, die zu dir passt. Dein Tagesziel sollte zu deiner Erfahrung passen und schau auch, dass deine Umgebung passt. Gehst du nicht gerne in Kaffees, dann solltest du dich auch nicht zwingen, weil andere das in ihrer Schreibroutine so tun.

#2 Aufhören, wenns am schönsten ist

Ein klarer psychischer Faktor ist der Start bei null. Du setzt dich vor ein leeres Blatt Papier und sollst jetzt dein neues Buch oder das nächste Kapitel schreiben – aus dem Nichts.

Für Künstlerinnen und Künstler aus allen Bereich ist die weisse Leinwand eine Horrorvorstellung und meist auch ein Erzfeind. Aus nichts etwas zu kreieren, ist nämlich nicht leicht.

Beim Schreiben hast du einen Vorteil und zwar kannst du aufhören zu schreiben, auch wenn du schon weisst, was als nächstes passiert. Startet deine nächste Schreibsession, dann kannst du deinen Gedankengang vom letzten Mal zu Ende führen und hast automatisch keine weisse Leinwand mehr vor dir.

Wenn du diesen Tipp im Griff hast, kann dich keine Schreibblockade mehr aufhalten, denn du startest mit dem genauen Wissen, was du gleich schreiben willst.

#3 Ausgleich durch Aktivität

Eine Schreibblockade kann erdrückend wirken und der Druck, den du dir selbst auferlegst, macht das Ganze nur noch schlimmer. In diesen Momenten darfst du nicht vergessen, dass nicht nur dein Kopf ab und zu einen Ausgleich braucht.

Bewege dich und nutze den Rest deines Körpers, um den Druck im Kopf auszugleichen. Ein einfacher Spaziergang kann schon Wunder wirken. Am besten ist es, wenn du auch hierfür eine Routine hast, um deinen Körper und damit deinen Kopf gesund zu halten.

Eine Fahrradtour kann eine Schreibblockade lösen und auch das Selbstbild ändern, damit du dich einfach schreiben lassen kannst.

#4 Tief einatmen

Manchmal tummeln sich unzählige Gedanken in deinem Kopf. Du willst dir selbst gerecht werden, die Story funktioniert so nicht, deine Charaktere sind zu oberflächlich, deine Geschichte ist nur eine Kopie und hat keine Persönlichkeit.

Fangen diese Gedanken einmal an, dann vermehren sie sich rasant und füllen deinen Kopf. Hier kann eine Art Meditation helfen.

Ich bin kein Experte, wenn es um Meditation geht, also bitte informier dich richtig, wenn du mehr wissen willst.

Schliesse deinen Augen und atme tief ein. Dann wieder aus. Dann wieder ein. Wiederhole diese Schritte bis die Gedanken verschwunden sind.

Das Prinzip ist, dass du dich selbst ins Hier und Jetzt zurückholst. Versuche beim Atmen den Luftzug so weit wie möglich zu verfolgen. Was spürst du genau in deiner Nase? Und fühlst du, wie deine Lunge mit Luft füllt?

Atmen ist das klassische Beispiel hierfür, du kannst aber auch ganz andere Dinge machen. Hauptsache du machst es komplett bewusst und lässt deine Gedanken nicht abschweifen. 

#5 Müll schreiben

Perfektionismus macht dir beim Schreiben das Leben schwer. Hast du einen Satz geschrieben, dann zieht er dich gleich zurück, um einen Schreibfehler zu verbessern oder ein Wort auszuwechseln oder gar den ganzen Satz umzuschreiben. In diesem Moment fehlt dir auch wieder die Aufmerksamkeit im aktuellen Satz und wieder wird der Perfektionismus zuschlagen.

Es kann ermüdend sein, wenn dein Tippen sich immer wieder verlangsamt, weil du schon lektorieren musst. Daraus resultiert dann meist auch ein Gefühl von schlechter Handwerkskunst, weil man so langsam schreibt – eine klare Negativspirale.

Einfach gesagt, aber schwierig umzusetzen ist folgender Tipp: Erlaub dir, Müll zu schreiben.

Die erste Fassung deines Buches, deiner Novelle oder deines Gedichtes ist für dich, damit du dir selbst die Geschichte erzählen kannst und sie greifbar machst. Du musst dich selbst nicht beeindrucken und darfst und sollst gerade am Anfang einfach alles rauslassen. Deine zweite Fassung wird komplett anders aussehen, die dritte wird ähnlich aber auch anders sein und irgendwann bist du bei einer Fassung, die nur noch ähnlich ist und dann weisst du, dass du selbst nichts mehr ändern kannst.

Erlaube dir, einen chaotischen Haufen an Wörtern zu schreiben, die nur für dich einen Sinn ergeben. Erlaube Schreibfehler, abgehackte Sätze und Logikfehler.

#6 Zeit stoppen

Als Ergänzung zum vorherigen Tipp kannst du dich auch selbst herausfordern. Versuche herauszufinden, wie viele Worte du in 20 Minuten schreiben kannst.

Stoppe die Zeit und tippe los.

Wenn du dich selbst schlagen willst, dann kommst du nicht daran vorbei, die Qualität deines Textes leiden zu lassen. Ich betone nochmals, dass das in diesem Schritt kein Problem ist und sogar wünschenswert ist, damit du die Geschichte so schnell wie möglich als Ganzes vor dir sehen kannst.

Welcher Zeitintervall zu dir passt, ob 10, 15, 20 oder 30 Minuten, ist natürlich dir überlassen. Es muss sich für dich gut anfühlen. 30 Minuten sind aber eine leichte Obergrenze, denn irgendwann beanspruchst du deinen Kopf (und deine Finger) zu intensiv und brauchst dann länger, um dich zu erholen.

Wenn wir gerade beim Erholen sind, dann solltest du die Pausen nutzen, um dich zu erholen. Beweg dich ein wenig, hol dir etwas zu trinken und dann kannst du entweder weitermachen oder das geschriebene auch mal überfliegen und schauen, was du vollbracht hast.

#7 Töte jemanden

Jedes Detail einer Geschichte muss funktionieren und perfekt sein. Während des Schreibens bist du manchmal plötzlich mehrere Kapitel weiter in deinem Kopf, nur um ein Charakterdetail herauszufinden. Das kann schnell dazu führen, dass du bei jeder neuen Szene eine Ewigkeit brauchst, bis du dich mit dir selbst geeinigt hast, was jetzt passieren soll. Und vielleicht kommst du gar nicht erst zum Schreiben, weil du immer wieder Schwachstellen findest.

Eine gute Story ist wichtig und grobe Fehler können dein Publikum verjagen. Aber wieder ist es wichtig, dass du deine gesamte Geschichte einmal fertig hast, um sie als Ganzes wahrzunehmen. Erst dann siehst du auch, was deiner Geschichte noch fehlt, welche Art von Szene noch hängig sind und wovon du zu viel hast.

Dieser Tipp soll dich ein wenig flexibler und offener machen. Nimm einen deiner Charaktere und töte ihn. Schreib, wie dein Charakter stirbt und nimm dir dann ein oder zwei Seiten Zeit die Konsequenzen seines Ablebens festzuhalten.

Am besten nimmst du einen Charakter, den du nicht sterben lassen willst, denn sonst landest du wieder in demselben Problem. Du weisst, dass alles rund um diesen Tod nicht in der Geschichte bleiben wird und doch musst du im Ton der Geschichte weiterschreiben. Die Last der perfekten Story fällt von deinen Schultern und du kannst deine Welt sich ein wenig entfalten lassen.

Du kannst das so häufig machen, wie du willst, wichtig ist, dass du dieses freie Gefühl dann mitnimmst. Und wer weiss, vielleicht eröffnet sich so ein Handlungsstrang, den du so nicht auf dem Schirm hattest.

#8 Sprich über deine Schreibblockade

Wenn du psychischen oder sozialen Druck verspürst, dann solltest du darüber reden. Ich bin kein Experte für diese Thematik und professionelle Hilfe ist in manchen Situation das einzig richtige.

Es kann hilfreich sein, wenn du deine Schreibblockade jemandem anvertraust. Am besten eine Person, die dir nahe steht, denn diese Person weiss, was bei dir sonst noch im Busch ist. Vielleicht rührt die Schreibblockade nämlich gar nicht vom Schreiben her. Vielleicht ist sie eine Manifestation von Stress in einem anderen Gebiet.

Wie gesagt, ich bin kein Experte und masse mir auch nichts an. Wichtig ist, dass du darüber sprichst.

#9 Wieso schreibst du?

Kommst du nicht weiter, kann es gut tun, wenn du dich fragst, wieso du überhaupt angefangen hast.

Wieso schreibst du? Wieso gerade diese Geschichte? Was liegt dir an diesen Charakteren?

Finde deine Inspiration und Motivation für das Handwerk aufs Neue und überzeuge dich selbst, wieso du diese Geschichte schreiben willst. Mach dir nichts vor, es kann eine harzige Sache sein, denn vielleicht bist du dir selbst gar nicht mehr so sicher.

Wichtig ist, dass du Geduld mit dir selbst hast. Findest du keine überzeugende Antwort, dann nutze eine Schreibübung oder tu etwas anderes, denn die Antwort ist weiterhin in dir verborgen.

#10 Ziele und Belohnungen

Setzt du dir als Ziel, ein Buch zu schreiben, dann kann das überwältigend sein. Besser ist, wenn du dir kleinere Ziele setzt, wie 1’000 Wörter oder ein Kapitel oder eine Szene.

Notiere dir deine Ziele und streich sie durch, sobald du sie erreicht hast, gib dir selbst diese Befriedigung. Du siehst dann, was du schon alles erreicht hast und kannst stolz auf deine Arbeit sein. Am besten knüpfst du das Ganze noch an ein Belohnungssystem.

Du wolltest schon lange ein neues Rezept ausprobieren? Dann nimm dir die Zeit, sobald du drei Ziele erreicht hast. Ein Film im Kino? Zwei Ziele mindestens. Du kannst ganz altmodisch mit Sternen oder Smileys arbeiten, du sollst dich einfach belohnen, wenn du etwas erreicht hast.

Fazit

Schreibblockaden gehören zum Alltag des Schreibens dazu. Du kannst sie dir nicht aussuchen und meistens wirst du sie verfluchen. Zum Glück kannst du lernen, mit ihnen umzugehen. Schau dir die Tipps an und vielleicht gibt es ein oder zwei, die zu dir passen und dir sogar helfen können. Vielleicht hilft auch Mal ein Fassadenwechsel. Hast du dich schon an Serials probiert?

Die Idee der Schreibübungen basiert darauf, dass du trotz Schreibblockade schreiben sollst. In einem anderen Rahmen natürlich, aber das Gefühl des Schreibens bleibt dasselbe.

Vergiss nicht, dass Schreiben dein persönlicher Ausdruck ist und vielleicht liegt in diesen Schreibblockaden auch ein Teil von dir, der sich ausdrücken möchte.